
Der Eigentümer möchte die historische Villa Lindeneck in seinem städtebaulichen Kontext erhalten und in eine neue, nachhaltige Nutzung überführen, welche dem Gemeinwohl der Winterthurer Bevölkerung zugutekommt.
Die in nächster Nähe zum Kantonsspital Winterthur gelegene Villa Lindeneck, wird durch eine langjährige und zukunftweisende Nutzung im Gesundheitswesen umgenutzt und erweitert.
Die historische Villa Lindeneck kann durch die neue Nutzung als Geburtshaus fast komplett erhalten werden. Das Erdgeschoss wird als Aufenthaltsbereich halb-öffentlich zugänglich sein. Die Zimmer in den Obergeschossen werden unverändert neu als Wochenbett-zimmer genutzt. Einzig die Bäder und die Küche werden rücksichtsvoll saniert.
Mit der «Geburtshaus Winterthur AG» soll ein Kompetenzzentrum der ganzheitlichen, evidenzbasierten Gesundheitsversorgung und Prävention rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Säuglingszeit entstehen (www.geburtshauswinterthur.ch). Es sind 225 Geburten pro Jahr geplant.
2022-2023
Winterthur
Projektentwicklung, Baueingabe, Ausführungsplanung
Bauleitung, Gestalterische Leitung
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Knut Lüscher, Christoph Lüscher, Nikolaos Varlagkas, Corinne Vogt, Silvio Girola, Lorenzo Perino
PK Baumanagement Zürich / Lüscher-Lüscher Architekten
Axel Heinrich, ZHAW Forschungsgruppe Wädenswil
F. Preisig AG , Zürich / Winterthur
Planforum AG, Winterthur
Gutknecht Elektroplanung AG, AU/ZH
Die Liegenschaft in unmittelbarer Nähe zum Kantonsspital Winterthur wurde einer zukunftsweisenden Nutzung im Gesundheitswesen zugeführtund sensibel durch einen Neubau ergänzt. Eine Hebammengemeinschaft übernahm den Standort und etablierte hier ein Geburtshaus.
Seit Sommer 2023 ist das Geburtshaus Winterthur als hebammengeführte Einrichtung auf der Spitalliste und erfolgreich in Betrieb; jährlich werden über 200 Geburten begleitet.
Die Umnutzung ermöglicht den weitgehenden Erhalt der historischen Substanz der Villa Lindeneck und verbindet beispielhaft denkmalpflegerische Sorgfalt mit einer zeitgemässen, gesellschaftlich relevanten Nutzung.
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Die historische Villa Lindeneck entstand in einem patriarchalgeprägten gesellschaftlichen Kontext –
ihre ursprüngliche Nutzung und Repräsentation spiegeln diese Ordnung wider.
In ihrer heutigen Nutzung als Geburtshaus steht die Frau im Zentrum. Das Haus wird von Hebammen und Gebärdenden mit Leben gefüllt und erhält dadurch eine neue, zeitgemässe Bedeutung. Es wird zu einem Ort der Selbstbestimmung, der Fürsorge und der weiblichen Stärke.
So entsteht eine kraftvolle, symbolische Neuinterpretation der einstigen Ordnung - ein klares Statement für den gesellschaftlichen Wandel und die gewachsene Rolle der Frau.
Zur Entstehungszeit der Villa Lindeneck kreuzten sich die Hauptachsen der mit Prachtbauten gesäumten Lindstrasse und der neu angelegten Bahnlinie zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Zwischen diesen Achsenentstand ein dreieckiges Grundstück an prominentester Lage: das Lindeneck.
Hier liess der Besitzer der Brauerei Haldengut, Fritz Schoellhorn, im Jahr 1895 durch das renommierte Architekturbüro Jung & Bridler einegrosszügige Villa im Stil der anglisierenden Neogotik errichten.
Die Villa Lindeneck präsentiert sich heute in leicht erhöhter Lageam Auftakt der Winterthurer Repräsentationsmeile «Lindstrasse» und nimmt aufgrund ihrer architektonischen Ausprägung sowie ihrer städtebaulich markanten Stellung eine weithin sichtbare und identitätsstiftende Funktion ein.
Der asymmetrisch gegliederte, kubische Baukörper wird strassenseitig durch einen zweigeschossigen Erker und einen dreigeschossigen Eckturmakzentuiert. Die für die damalige Zeit schlichte Fassade ist aus rotem Sichtbacksteinen erstellt und wird von einer aufwendigen Dachlandschaftbekrönt.
Das Gebäude ist in einen historischen Villengarten eingebettet, der durch einen bedeutenden Altbaumbestand geprägt wird.
Die historische Villa Lindeneck wird als Teil der GartenstadtWinterthur in ihrem städtebaulichen Kontext erhalten und einer neuen,nachhaltigen Nutzung zugeführt.
Mit der neuen Nutzung als Geburtshaus konnte die Villa Lindeneck weitgehendim Originalzustand erhalten werden. Die benötigte moderne Geburtsabteilung, wurdein einem Ergänzungsgebäude nahe der Villa untergebracht. Der kompakte,organisch geformte Punkt-bau integriert sich als Teil des Gartens, desGrüngürtels und kann, aufgrund seines kleinen Fussabdruckes, den altenBaumbestand weitgehend erhalten.
Das prägnante dreieckige Grundstück mit seinem historischen Villengarten wird zur Bahnseite mit einer Schallschutzmauer neu gefasst und lesbar gemacht. Gleichzeitig inszeniert der räumlich vergrösserte nördliche Garten die Villa und gibt ihre dir nötige Öffnung für die Eingangspartie. Durch den Rückbau der Anbauten wird die Villa Lindeneck wieder in ihrer ursprünglichen Form lesbar.
Über ein rückseitiges, verglastes Treppenhaus mit Bettenlift ist die Villa direkt mit der Geburtsabteilung des Ergänzungsbaus verbunden. Auf Parkniveau befinden sich medizinische Nutzungen, in den oberen Geschossen weitere Praxisräume, vier Wochenbett- bzw.Personalzimmer sowie eine Stadtwohnung mit begründetem Dachgarten.
Die Sanierung der Villa Lindeneck erfolgte mit grosser Sorgfaltund in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Natursteineinfassungen, hölzerneTäfelungen, maserierte Türen, historische Farbanstriche und Bodenbeläge wurden behutsam restauriert; die originalen Bleiverglasungen, Tapeten und Wandverkleidungen blieben erhalten und wurden fachgerecht instandgesetzt. Wo nötig, wurde die Komposition durch neue Tapeten und Farbnuancen ergänzt.
Das Dach wurde komplett abgedeckt, saniert, gedämmt und erneut mit Schiefer eingedeckt – eine handwerklich anspruchsvolle Aufgabe, die erfahrene Dachdecker und Spengler mit grosser Präzision erforderte.
Zur Erfüllung der betrieblichen Anforderungen eines Geburtshauses wurde eine kontrollierte Lüftung integriert, die unsichtbar in die historischeStruktur eingefügt ist und das Erscheinungsbild der Räume nicht beeinträchtigt.
Die Sanierung zeigt exemplarisch, wie technische Anforderungen – einschliesslich anspruchsvoller Brandschutzmassnahmen – mit denkmalpflegerischen Zielsetzungen in Einklang gebracht werden können. Nutzung und Denkmalpflege stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern sind sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Mit der neuen Nutzung konnte die Villa Lindeneck nahezuvollständig im Originalzustand bewahrt werden. Die Anbauten des Frühstückszimmers (1927) sowie die Garage (1933) wurden zurückgebaut, wodurch die ursprüngliche Gestalt der Villa von 1897 wieder klar ablesbar ist.
Bauteile und Materialien aus den rückgebauten Strukturen wurden gezielt reintegriert: Das Terrassengeländer und die Treppenstufen des ehemaligen Frühstückszimmers fanden als Elemente des neu gestalteten Dachgartens des Ergänzungsgebäudes eine neue Verwendung. Teile der historischen Küchenausstattung wurden wieder eingebaut; antike Lavabos, Leuchten und Spiegel bereichern die neu gestalteten Bäder und Wochenbettzimmer.
Sämtliche Einbauschränke sowie die historischen Innenausbauten der Villa wurden sorgfältig restauriert und in die neue Nutzung integriert.
Die Umgebung der Villa und des Geburtshauses wird geprägt von einem geschützten Altbaumbestand auf gereiftem Boden dank jahrzehntelangem Laubeintrag. Die historischen Pflanzungen wurden epochengetreu wiederhergestellt und mit trockenheitstoleranten, standortgerechten Arten ergänzt. Durch eine sanfte Geländemodellierung wie auch über unterirdische Schotterrigolen gelangt das Dachwasser gezielt zu den Altbäumen. Die historische Natursteinpflästerung blieb, wo möglich, erhalten und wurdesorgfältig geschützt. Die ungebundenen Bauweisen der Beläge ermöglichen die lokale Versickerung des Regenwassers, womit der gesamte Garten den Grundsätzen der Schwammstadt und der Kreislaufwirtschaft entspricht.
Das Grundstück erhielt im Norden einen neuen Mauerabschluss zur Bahnlinie hin – gestalterisch als repräsentative Weiterentwicklung der bestehenden historischen Einfassungsmauer konzipiert und in Klinker und Naturstein ausgeführt. Als prägnanter Abschluss der Parzelle fasst sie das Ensemble räumlich und verleiht dem Gesamtbild Geschlossenheit und Bestand.
Der Dachgarten des Ergänzungsgebäudes wurde nach den Prinzipiender Schwammstadt gestaltet, was sowohl den Wasserhaushalt des Grundstücks als auch das urbane Mikroklima positiv beeinflusst. Der begrünte Dachgarten fügt sich dabei in das Bild des umgebenden Villengartens ein – das Ergänzungsgebäude wird so nicht nur räumlich, sondern auch ökologisch als Teil des Grüngürtelslesbar.
Die Projektentwicklung erforderte eine intensive, fachübergreifende Zusammenarbeit – bedingt durch eine anspruchsvolle Ausgangslage: eine denkmalgeschützte Villa in Gleisnähe, ein wertvoller historischer Baumbestand und die Anforderung, Neubau und Bestand zu einem stimmigen Ganzen zu fügen.
In enger Abstimmung mit dem Amt für Städtebau, Stadtgrün, SBB und Denkmalpflege wurden gestalterische und bauliche Lösungen entwickelt, die den historischen Charakter der Anlage wahren und gleichzeitig zeitgemässen Anforderungen gerecht werden.
Die Abstimmung der energetischen, technischen, historischen und statischen Anforderungen zwischen Alt- und Neubau verlangten von den beteiligten Fachplanern, Ingenieuren und spezialisierten Handwerkern ein hohes Mass an Kreativität und Präzision.
Besonders prägend war die Zusammenarbeit mit dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW: Auf der herausfordernden, durch Gleisinfrastruktur geprägten Parzelle wurden Prinzipien der Schwammstadt in einen historischen Kontext übertragen und wissenschaftlich erprobt. Die Ansätze verbinden nachhaltiges Grünraummanagement mit dem Erhalt des bestehenden Baumbestands. So entstanden robuste Konzepte, die Regenwassermanagement,Mikroklima und langfristigen Baumerhalt miteinander in Einklang bringen. Die Wirksamkeit dieser Massnahmen wird in den kommenden Jahren durch dei ZHAW vor Ort untersucht und dokumentiert
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8| Hauptansicht
7| Ensemble
4|Wir haben versucht einen Ort zu schaffen an dem sich die Menschen wohl und geborgen fühlen.|text
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